Irgendwann ist auch mal Schluss

Werde ich noch eine gesetzliche Rente bekommen, von der ich leben kann?

2. Überschrift = Bis 65 arbeiten, bis 67 oder noch länger?

Alternativtext

Bis 65 arbeiten, bis 67 oder noch länger? Mit Aktien vorsorgen oder mit einer Pflichtversicherung? Alle Parteien wollen die Rente sichern – aber wie?

Werde ich noch eine gesetzliche Rente bekommen, von der ich leben kann?

Das kommt drauf an, wie alt Sie sind. Prognosen gehen davon aus, dass das Rentenniveau für künftige Generationen spätestens ab 2030 sinken wird – auf 43 Prozent oder noch weniger. Bis dahin, also bis 2030, hat die aktuelle Bundesregierung die Höhe der Renten bei immerhin 46 Prozent gesichert, indem sie Steuerzuzahlungen beschlossen hat. Wie es danach genau weitergeht, hängt von verschiedenen Faktoren ab: der Zahl der Beitragszahlenden, den Beitragshöhen, dem Rentenniveau und den Steuerzuschüssen.

Das klingt eher nicht so, als könnte ich mich darauf verlassen.

Zur Bundestagswahl versprechen alle Parteien von links bis rechts: Sie wollen die gesetzliche Rente sichern. Während CDU, AfD und FDP zum Rentenniveau keine Zahlen nennen, werden SPD, Grüne und Linke konkret. Die ersten beiden wollen es bei 48 Prozent halten – hier liegt es aktuell –, die Linke gar auf 53 Prozent erhöhen. Doch wie das geschehen soll – dazu gibt es recht unterschiedliche Ideen.

Und wie soll das gehen, wenn es doch immer wenige Junge und immer mehr Alte gibt?

Die Union findet, dass "die beste Rentenpolitik" eine gute Wirtschaftspolitik sei. "Denn je mehr Menschen sozialversicherungspflichtig arbeiten, desto besser ist es für die Rente", schreiben die Konservativen.

Stimmt doch auch, oder?

Klar, nur ist es ja beileibe nicht so, dass alle, die gut verdienen, auch in die gesetzliche Rente einzahlen. Das wollen alle drei Parteien des linken Lagers ändern. Die SPD glaubt, dass das gesetzliche Rentenniveau nur dann einigermaßen zu halten ist, wenn langfristig alle Erwerbstätigen – also auch Beamtinnen, Selbständige, Abgeordnete sowie Berufsgruppen, die bisher über eigene Versorgungswerke abgesichert sind – in die gesetzliche Rente einzahlen.
Die Grünen sehen das ganz ähnlich, sprechen aber von einer "Bürger*innenversicherung". Bei der Linken wiederum heißt das Konzept "Solidarische Erwerbstätigenversicherung" – wobei die Partei damit deutlich weiter geht als SPD und Grüne. Sie will die Rente deutlich anheben und deshalb auch die Einkommensgrenze anheben, bis zu der der Betrag noch steigt, den die Versicherten einzahlen. Heißt: Bestverdiener müssten viel mehr zahlen als bisher. Damit am Ende aber nicht diese Reichen mit sehr hohen Rentenansprüchen dastehen, sollen für sie die Auszahlungen in der Rente gedeckelt werden ("Beitrags-Äquivalenzgrenze" nennen die Linken das). Im Ergebnis kämen die Beiträge der Reichen den Renten der Ärmeren zugute, so zumindest der Plan.
Die AfD macht wenig konkrete Aussagen, wie sie das Demografieproblem lösen will. Sie will aber versicherungsfremde Leistungen wie etwa die Mütterrente streichen. Die sollen künftig aus Steuermitteln bezahlt werden. Leistungen sollen außerdem nur jene erhalten, die auch eingezahlt oder Kinder erzogen haben. "Wer länger arbeitet, bekommt entsprechend mehr Rente", lautet die einfache Formel. Einzahlen sollen weiterhin vor allem die Arbeitnehmer und Arbeitgeberinnen – und Abgeordnete, denn Politikerpensionen sehen die Rechtspopulisten sehr kritisch.

Aber heißt es nicht immer, ohne private Vorsorge gehe es eigentlich nicht mehr?

Das findet zumindest auch die FDP, ja. Sie würden das System am stärksten umbauen, und als zweite Säule neben die gesetzliche Rentenversicherung die gesetzliche Aktienrente stellen. Zum Teil, der wie gehabt umlagefinanziert ist, käme ein Teil, der aus einem gesetzlichen Aktienfonds kommt. Die Liberalen schlagen vor, dass zwei Prozent vom Bruttogehalt in diesem Fonds angelegt werden. Als Vorbild sieht die FDP hier Schweden, wo das schon lange so ähnlich gehandhabt wird. Das schwedische Modell sieht allerdings auch eine Grundrente für alle vor und man kann das Ganze nicht auf Deutschland übertragen.

Und steigen dann die Beiträge, die ich zahlen muss?

Höhere Beiträge sind für keine Partei ein Thema. Immerhin beträgt der Beitrag heute schon 18,6 Prozent. Außerdem zahlt der Staat gut 100 Milliarden Euro pro Jahr (das sind gut drei Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung) als Steuersubvention ins System.

Aber länger arbeiten müssen zumindest die Jungen schon, oder?

Je nach Geburtsjahr steigt das Renteneintrittsalter in den kommenden Jahren von 65 auf bis zu 67 Jahre, das zumindest ist die aktuelle Gesetzeslage. Die CDU hält an der Grenze von 67 Jahren fest (und damit die Menschen das durchhalten, schlägt sie vor, "die medizinische und berufliche Rehabilitation" zu stärken). Die SPD lehnt es ab, die Grenze weiter nach hinten zu verschieben. Für die Sozialdemokraten wäre das eine Rentenkürzung für alle, die nicht länger arbeiten können. Außerdem will die SPD, dass mehr Menschen abschlagsfrei schon früher in Rente gehe können, sofern sie viele Jahre lang eingezahlt haben. Wie viel, verraten die Sozialdemokraten aber nicht. Zudem will die SPD die Erwerbsminderungsrente (für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können) verbessern. Aber auch dazu fehlen Details im Wahlprogramm. Die Linken wollen das Renteneintrittsalter auf 65 Jahre absenken. Wer 40 Jahre lang eingezahlt hat, soll nach Ansicht der Partei auch schon mit 60 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen können.

Aber einige wollen doch sogar länger arbeiten.

Denjenigen wollen die Grünen das auch ermöglichen und die Altersgrenze von 67 für sie öffnen. Und die FDP will gleich absolute Flexibilität: "Wer früher in Rente geht, bekommt eine geringere, wer später geht, erhält eine höhere Rente. Wer das 60. Lebensjahr und mit allen Altersvorsorgeansprüchen mindestens das Grundsicherungsniveau erreicht, soll selbst entscheiden, wann der Ruhestand beginnt", heißt es hier. Damit Rentnerinnen und Rentner nebenher dennoch arbeiten können, sollen Zuverdienstgrenzen abgeschafft werden. Und die AfD nennt gar keine Altersgrenzen mehr, sondern schreibt: "Die Betroffenen (...) wissen selbst am besten, wann sie aus dem Erwerbsleben ausscheiden wollen. Wir wollen deshalb jedem ermöglichen, länger zu arbeiten und im Einvernehmen mit dem jeweiligen Arbeitgeber zum individuellen Wunschzeitpunkt den Ruhestand anzutreten." Ob das andersrum auch bedeutet, dass die Leute schon viel früher in Rente gehen könnten, ist ebenso unklar wie die Frage, wovon sie dann leben sollen.

Wird Riester abgeschafft? Wie sind die Pläne der Parteien für die private Vorsorge?

Dass die Riester-Rente – also private Vorsorge mit staatlicher Förderung – zu teuer, zu bürokratisch und zu intransparent ist, haben mittlerweile alle Parteien eingesehen.
Die CDU will einen "Neustart" und Kriterien für ein Standardvorsorgeprodukt entwickeln, das für abhängig Beschäftigte quasi obligatorisch ist. Die Konservativen erwägen auch ein "staatlich organisiertes Standardvorsorgeprodukt", das aber nur aufgelegt werden soll, wenn künftig nicht deutlich mehr Menschen privat vorsorgen. Das Ganze liest sich daher fast wie eine Drohung.
Ein neues kostengünstiges Standardprodukt will auch die SPD. Sie schlägt eine staatlich geförderte private Vorsorge vor, die wie in Schweden digital und grenzüberschreitend auch von einer staatlichen Institution angeboten wird. Sprich: Man soll das Ganze online abschließen und einsehen und auch ins Ausland mitnehmen können, wenn man dort arbeitet. Staatliche Zuschüsse soll es bei den Sozialdemokraten nur für kleine und mittlere Einkommen geben, Wohlhabende sollen keine Zulagen erhalten.

Die Grünen und die Linken wollen Riester ganz abschaffen. Die Linken möchten die bestehenden Verträge dann einfach in die gesetzliche Rente überführen. Wer also bisher geriestert hat, würde seine Ansprüche nicht verlieren. Die bisherige staatliche Förderung – laut Linke immerhin knapp vier Milliarden Euro pro Jahr – würde dann einfach als Zuschuss in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt.
Die Grünen hingegen wollen Riester und Rürup durch einen öffentlich verwalteten "Bürger*innenfonds" ersetzen, der nur nachhaltig anlegen darf. Das Problem ist aber: Es ist gar nicht so einfach, nachhaltig anzulegen, die Umsetzung dürfte sehr schwierig werden Staatliche Förderung soll es bei diesem Konzept auch weiterhin geben,
aber – wie bei der SPD – nur für die unteren Einkommen. Noch laufende Riester-Verträge haben auch bei den Grünen Bestandsschutz. Und in den Fonds müssen übrigens alle Bürgerinnen und Bürger einzahlen, es sei denn, sie widersprechen aktiv.

Die FDP hingegen will Rente nach dem Baukastenprinzip, da darf dann auch die private Vorsorge nicht fehlen. An Riester und Rürup wollen die Liberalen festhalten, und sie wollen auch ein Altersvorsorgedeport, in dem verschiedene private Anlagen gemischt werden können. Was das konkret sein soll, bleibt aber weitgehend unverständlich.

Und was ist mit der Betriebsrente – wird die bald zur Pflicht?

Alle wollen die Betriebsrente stärken, verpflichtend machen will sie nur die Linke. Sie fordert "eine überwiegend von den Arbeitgebern finanzierte betriebliche Altersversorgung". Die Linke und auch die SPD wollen zudem mehr Tarifverträge, die eine betriebliche Altersvorsorge vorschreiben.
CDU und FDP machen eher Vorschläge, wie die betriebliche Altersvorsorge für Unternehmen attraktiver werden könnte – etwa über staatliche Förderungen für kleine und mittlere Betriebe.
Die Grünen wollen Unternehmen ihren "Bürger*innenfonds" auch für die betriebliche Altersvorsorge zur Verfügung stellen und die AfD macht gar keine Angaben, welche neuen Ideen sie für den Ausbau der zweiten Säule der Alterssicherung hat.

Wie steht es denn um die Altersarmut – wie soll die bekämpft werden?

SPD und CDU feiern sich beide für die Grundrente als Erfolg im Kampf gegen Altersarmut (sie haben ja auch lang genug
darum gestritten). Die FDP will eine "Basisrente", deren Höhe aber unklar ist. Die Grünen finden, dass die Grundrente repariert werden müsse, sie wollen diese zu einer "echten Garantierente weiterentwickeln, die deutlich mehr Menschen als bisher einbezieht und finanziell besserstellt". Konkreter werden sie jedoch nicht.
Nur die Linke nennt wieder eine Zahl – sie fordert, dass wirklich jeder Anspruch auf eine "Solidarische Mindestrente" von 1.200 Euro haben soll. Diese soll, wie so vieles im Wahlprogramm der Linken, aus Steuern bezahlt werden.

Was ist den Parteien sonst noch wichtig beim Thema Rente – gibt es auch spezielle Forderungen?

Die AfD will für jedes Kind den Eltern 20.000 Euro Beiträge zur Rentenversicherung aus Steuermitteln erstatten. Die Linken wollen eine Rente auch für Langzeitarbeitslose und die FDP will es Lebensversicherern, Pensionskassen und Versorgungswerken ermöglichen, in Wagniskapital, Start- ups, Aktien oder Infrastrukturprojekte zu investieren. Das soll dann die Renditechancen in der privaten Vorsorge erhöhen.